Thirty Years War Online

Sydenham Poyntz

(auch Sydenham Poynts, Sednham Poyntz, Sednham Poynts, Sir Sydenham, Sir Sydenham Poyntz, Sir Poyntz, Sydenham, Sydnam Poyntz)
Erst Soldat, dann Offizier in spanischen, niederländischen, kursächsischen und kaiserlichen Diensten, im Englischen Bürgerkrieg 1645/46 Oberst und General der Parlamentsarmee, 1645-1647 Gouverneur von York

Autor: Cord Oestmann

Empfohlene Zitierweise: Cord Oestmann: Poyntz, Sydenham [2016]. In: Lexikon der Heerführer und hohen Offiziere des Dreißigjährigen Krieges, hg. von Markus Meumann (Online-Ressource; URL: http://www.amg-fnz.de/dreissig-jaehriger-krieg-online/heerfuehrer-und-offiziere/poyntz-sydenham/ [Datum des Aufrufs in eckigen Klammern]).

Lebensdaten

getauft 3.9.1607 Reigate, Surrey, England; † nach 1663 Virginia, Nordamerika (?)

Konfession

Gratwanderer zwischen Church of England und Katholizismus
Bis 1630 Anglikaner
1630 bis > 1636 Katholik
<1644 bis zu seinem Tod Anglikaner

Familie und Jugend

  • Eltern: John Poyntz (*1577 - † nach 1616) und Anne Sydenham (*1582 - † 1637). In den Einträgen für Poyntz in den beiden Ausgaben der DNB wird der Mädchenname seiner Mutter als Skinner angegeben, ohne allerdings die Quelle dieser abweichenden Information zu nennen.
  • Ehefrauen:
    1) c. 1631/32 [Tochter eines reichen Händlers aus Eger] († < 1633 im Kindbett)
    2) c. 1633 Anne Eleonora de Court Stephanus aus Cary in Württemberg († < 1636 von marodierenden französischen Söldnern ermordet)
    3) > 1636 und < 1644 Elizabeth, nicht englisch
  • Kinder:
    Mit 2) ein Kind († < 1636 von marodierenden französischen Söldnern ermordet)

Poyntz war Spross einer Nebenlinie einer landadeligen Familie, die ihren Stammsitz in Gloucestershire hatte. Diese Nebenlinie hatte Besitzungen und ihren Wohnsitz in Reigate in Surrey. Poyntz‘ Vater John war Mitglied der Gentry, und auch seine Mutter, Anne, entstammte einer landadeligen Familie aus Somerset. Sydenham war eines der späteren von ungefähr 10 Kindern aus dieser Verbindung (die sekundären Quellen sind hier widersprüchlich), die 1613 - für diese Zeit ungewöhnlich - in der Scheidung der Eltern endete. Der eindeutig gehobenen sozialen Stellung der Familie zum Trotz - so erscheint John 1607, im Jahr der Geburt von Sydenham, als King’s Marshall - erfuhr die finanzielle Lage von John Poyntz einen beständigen Niedergang. Zwar reichten die Mittel der Familie in den frühen Lebensjahren von Sydenham aus, um diesem noch eine standesgemäße Erziehung zuteilwerden zu lassen, was sich aus der Kombination seiner mit Latein durchsetzten Lese- und Schreibfähigkeit erkennen lässt.

Weniger standesgemäß war dann aber der Umstand, dass Sydenham im Alter von ungefähr zwölf Jahren gegen Zahlung von £ 50 nach London bei einem William Golden in die Lehre gegeben wurde. In seinen 1636 in London verfassten Erinnerungen(1) beschreibt Poyntz seine Londoner Zeit als unwürdig, sah sich wie einen Hund behandelt („To bee bound an Apprentice that life I deemed little better then a dogs life and base“ ,S. 45), was verdeutlicht, dass er in seinem Selbstverständnis weiterhin Anspruch auf die Behandlung eines Gentlemans hatte. Weitere Einzelheiten seiner schlechten Behandlung kamen in einem von seinem Bruder William angestrengten Gerichtsverfahren auf Zurückzahlung des Lehrgeldes gegen die Erbin seines ehemaligen Lehrherren aus dem Jahre 1629 ans Licht, als man Sydenham für auf dem Kontinent verstorben hielt. Hier wurde beschrieben, wie der junge Sydenham, schlecht ernährt, sich einmal nur durch eine kleine Betrügerei Essen verschaffen konnte und daraufhin von Golden fast zu Tode geprügelt worden war. Golden habe ihn außerdem an zwei andere Lehrherren weitergegeben. Gründe genug, um sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sein sein Glück und seine Ehre als Soldat zu suchen („to live and dy a souldier would bee as noble in death as Life“, S. 45). Sydenhams Entscheidung für das Soldatenleben mag auch durch praktische Beispiele aus seinem unmittelbaren sozialen Umfeld heraus motiviert gewesen sein, denn Goodrick spricht in seiner Einleitung zu den Erinnerungen davon, dass Poyntz‘ älterer Bruder William an der Schlacht am Weißen Berge teilgenommen habe (S. 10), und Poyntz selbst beschreibt, wie er schon auf der ersten Station seiner militärischen Laufbahn seinem Paten im Feld begegnete, einem Hauptmann Sydenham (S. 45).

Militärische Laufbahn

Mit seinen Erinnerungen haben wir einen sehr umfangreichen Einblick in Poyntz militärische Laufbahn für den Zeitraum von etwa 1622 bis 1636. Die Chronologie innerhalb dieser Erinnerungen ist allerdings oft unzuverlässig. So beginnt Poyntz mit dem Hinweis, dass er 1636 nach 16 oder 17 Jahren Abwesenheit in seine Heimat zurückgekehrt sei, was den Beginn seiner Erlebnisse auf 1619/20 datieren würde. Die ersten von ihm geschilderten Ereignisse, die Belagerung Bergen-op-Zooms durch Spinola (Ambrogio Spinola, Marqués de los Balbases, 1569–1630), weisen aber auf einen Beginn seines Abenteuers im Jahre 1622 hin, was auch in etwa einem Hinweise in den Erinnerungen entspricht, wo er sein eigenes Alter zu diesem Zeitpunkt mit sechzehn Jahren angibt (S. 45). Poyntz war nach eigenen Angaben auf den Kontinent gekommen, um sein Glück als Soldat zu machen. Anders als andere seiner Landsleute, die in England zum Dienst angeworben worden waren, reiste Poyntz auf eigene Kosten über mehrere Stationen von London über Dover bis schließlich Termonde in den Niederlanden, wo ihn seine erschöpften finanziellen Mittels dazu zwangen, als einfacher Soldat in das Regiment von Lord Vaux (Edward Vaux, 4. Baron Vaux of Harrowden, 1588-1661) unter einem Captain Reysby einzutreten. Bezeichnend für seine prekäre Situation ist auch die Tatsache, dass er in ein von einem englischen Katholiken geführtes Regiment eintrat, das auf Seiten der Spanier im niederländischen Konflikt kämpfte. Poyntz, dessen konfessionelle Loyalität in seinem Leben mehrfach in Frage gestellt wurde, scheint schon früh das soldatische Moment vor dem konfessionellen priorisiert zu haben. Seine unabhängige Vorgehensweise bei der Suche nach einem militärischen Engagement lässt weiterhin die Vermutung zu, dass er schon von Anbeginn seiner militärischen Laufbahn Ambitionen auf höhere Positionen hegte, die Umstände ihm dies allerdings zunächst verwehrten. Seine erste unmittelbare Erfahrung mit dem Soldatenleben endete indes wenig glorreich in seiner Gefangennahme, erstaunlicherweise durch englische Soldaten in niederländischen Diensten unter dem Kommando von Captain Sydenham, seinem Paten,. Dieser Captain Sydenham bot Poyntz Ausrüstung und wahlweise Mittel zur Rückkehr nach England oder Dienst unter seinem Kommando an, was Poyntz aber beides mit dem Hinweis ausschlug, noch weiter auf eigene Faust sein Glück versuchen zu wollen (S. 46).

Seine nächste Station war dann das Regiment des Earls von Essex (Robert Devereux, 3. Earl of Essex, 1591–1646), wo er unter einem Captain William Baillie diente. Damit stand Poyntz diesmal unter einem protestantischen Kommandeur in niederländischen Diensten. Nach einjähriger Untätigkeit vor Gertruydenberg war das Regiment an der nicht erfolgreichen Entsetzung Bredas im Februar 1625 beteiligt, diesmal unter der Führung des Earls von Oxford (Henry de Vere, 18. Earl of Oxford, 1593–1625). Offensichtlich fand Poyntz das neue Regiment wenig vielversprechend, denn nach dem Rückzug von Breda erbat er seine Entlassung und ging nach Amsterdam, wo er Ende 1625 einem Regiment unter Sir James Leslie(2) in der neu ausgehobenen Armee Ernsts von Mansfeld (1580–1626) beitrat. Diese Armee wurde 1626 als Teil der von König Christian IV. von Dänemark (1577–1648) gegen die Katholische Liga geführten Truppen der deutschen Protestanten nach Norddeutschland verlegt. Nach dem Marsch nach Brandenburg erlebte Poyntz die verheerende Niederlage Mansfelds gegen Herzog Albrecht von Wallenstein (1583–1634) im April 1626 an der Dessauer Brücke, konnte sich jedoch retten und fand wieder Anschluss an die versprengten Truppenteile, die sich in die Altmark zurückgezogen hatten. Nach einer erstaunlich kurzen Frist konnte Mansfeld allerdings seine Armee durch Neuwerbungen auffüllen und zog über Schlesien und Mähren nach Ungarn weiter. Poyntz war an allen diesen Bewegungen beteiligt, so unter anderem auch an den Plünderungen in Weißkirchen, wo er die zweitägigen Plünderungen und das Gemetzel an der Zivilbevölkerung nach dem erfolgreichen zweiten Sturm relativ emotionslos beschreibt (S. 48).

Sein Kriegsglück wendete sich allerdings kurz danach, als sich Mansfelds Armee, von den Türken und den Truppen des Fürsten von Siebenbürgen, Bethlen Gábor, (1580–1629) verlassen, in Südungarn auflöste und Poyntz in türkische Gefangenschaft geriet und versklavt wurde. Dies führte zu einem etwa fünfjährigen Bruch seiner militärischen Laufbahn, der erst nach seiner abenteuerlichen Flucht durch Ungarn nach Österreich in die Nähe von Wien endete, wo er eine wundersam anmutende Wiederherstellung seines Wohlstandes durch Franziskaner, besonders durch einen englischen, ihm entfernt verwandten Mönch namens More, erlebte. In den Erinnerungen schreibt er, wie die Brüder £ 50 sammelten, um ihn von Kopf bis Fuß, inclusive Pferd, wieder zum Kriegsdienst auszustatten. Aus dieser Zeit rührt auch seine selbst bezeugte Konversion zum Katholizismus (S. 54), die er in späteren Jahren allerdings vehement bestreiten sollte. Angesichts des Vormarsches der Schweden in Norddeutschland bot sich Poyntz unmittelbar Gelegenheit, sein Kriegshandwerk wieder aufzunehmen, indem er in die Dienste von Johann Georg I. von Sachsen (1585–1656), des mächtigsten protestantischen Reichsfürsten der Zeit, eintrat, der zunächst in Koalition mit dem Kaiser 1631 eine Armee zur Abwehr der eingedrungenen Schweden aufstellte. Eingedenk seiner letzten Erfahrungen mutet es fast phantastisch an, das Poyntz im Folgenden in sächsischen Diensten zunächst in die kurfürstliche Leibgarde aufgenommen wurde und es später zum Leutnant und schließlich Hauptmann der Kavallerie im sächsischen Heer brachte. Nach dem Umschwenken der Sachsen auf die schwedische Seite kämpfte Poyntz gegen die kaiserliche Armee in der Schlacht von Breitenfeld im September 1631, welche trotz der unrühmlichen Flucht der sächsischen Truppen vom Schlachtfeld zugunsten der Schweden und ihrer Verbündeten endete. Poyntz selbst beschreibt, wie er sein persönliches Verhalten vor dem Kurfürsten rechtfertigen musste, um drastischen Sanktionen zu entgehen.

Interessant sind an dieser Stelle Poyntz‘ Ausführungen, wie er persönlich von dem Umschwenken des sächsischen Kurfürsten von der kaiserlichen auf die schwedische Seite berührt war. So spricht er von einem Treuebruch und bekennt tiefe Reue für seinen eigenen Teil daran. Angesichts der Tatasache, dass Poyntz kurze Zeit später, nachdem er von irischen Söldnern im Voigtland gefangen genommen worden war und Johann Georg ein Lösegeld verweigert hatte, in kaiserliche Dienste eintrat, wo er den Rest der Zeit, die er in seinen Erinnerungen beschreibt, verbrachte, mag seine Kaisertreue relativieren, aber seine Äußerungen werfen doch ein Schlaglicht auf sein Selbstverständnis als Söldner.

Mit der Gefangennahme durch Iren vom Regiment des Grafen Walter Butler (um 1600–1634) begann für Poyntz eine neue Phase seiner militärischen Laufbahn. Er selbst beschreibt, dass Übertritte von gefangenen Soldaten, und vor allem von Offizieren, die nicht gegen Lösegeld freigekauft wurden, in das gegnerische Lager nichts Ungewöhnliches waren – „which is the custome on both sides in those German Warres“ (S. 75/76). So nahm Poyntz denn den Dienst in der kaiserlichen Armee in Butlers Regiment, der ihm auch persönlich gewogen zu sein schien, und brachte es dort zum Rang eines Sergeant Majors (Feldwachtmeister). In den Jahren nach Breitenfeld kämpfte Poyntz auf kaiserlicher Seite bei Lützen (November 1632), wo er bitterlich den Verlust seiner Pferde beklagt (eventuell schon ein Hinweis auf eine von ihm finanzierte Reiterschaft), folgte Wallenstein auf seinem Zug nach Schlesien (1633) und war Teil der siegreichen Armee unter Gallas (Matthias Gallas, Graf von Campo und Herzog von Lucera, 1588–1647) über die Schweden bei Nördlingen (September 1634). Nach dem Winterquartier in Österreich war sein Regiment im darauffolgenden Jahr in ständiger Bewegung, zunächst zur Unterstützung der sächsischen Armee – nunmehr wieder auf kaiserlicher Seite – gegen die Schweden und danach zur Verstärkung von Gallas in Lothringen. Letztere Aktion war Poyntz‘ letzte bezeugte Handlung im Dreißigjährigen Krieg. 1636 zog Poyntz sich, wenigstens für eine Zeit, aus der kaiserlichen Armee zurück. Seine Hoffnung war, sich auf seine Familie und die in Württemberg erworbenen Güter zu konzentrieren. Allerdings fand er bei seiner Heimkehr nur von marodierenden, aus Italien nach Frankreich ziehenden französischen Truppen angerichtete Verwüstung vor, der seine Familie und seine Habe zum Opfer gefallen waren. Nachdem auch eine erhoffte Erbschaft aus dem Nachlass von Graf Butler sich nicht verwirklichte , kam er nach London, um einerseits nach einer möglichen Hinterlassenschaft in England zu suchen, und andererseits, um seine Erinnerungen an die Deutschen Kriege („German Warres“) niederzuschreiben. Aber auch in England tat sich ihm keine neue Perspektive auf, und „seeing my expectation had failed mee here and no employment in England in that faculty of souldiery, which I have followed from my youth“ (S. 130), entschied er sich, wieder ins Reich zurückzukehren. Das er dies dann auch wirklich tat, verdeutlicht die Tatsache, dass auch seine dritte Frau nicht aus England stammte.

Die Ereignisse der nächsten acht Jahre seines Lebens sind allerdings völlig undokumentiert. Poyntz tritt erst wieder 1645 in das Licht der Quellen, wobei der Verweis auf ausstehenden Sold eine Rückkehr nach England spätestens in der zweiten Jahreshälfte 1644 wahrscheinlich macht. Über diese Zwischenzeit lässt sich nur soviel sagen, dass Poyntz weiter militärisch Karriere machte, denn 1645 stand er zunächst als Oberst, später als General in den Diensten der Armee des englischen Parlaments. In diesem Jahr übernahm Poyntz den Befehl der Truppen der Northern Association der Armee des Parlaments in Range eines Generals. Über seine Teilnahme an Schlachten des englischen Bürgerkrieges vor 1645 ist nichts bekannt, aber nach der Niederlage der Royalisten bei Naseby erhielt Poyntz den Befehl, die königliche Restarmee zu verfolgen. Er stellte sie im September 1645 bei Rowton Heath in der Nähe von Chester (Cheshire) und brachte den Royalisten eine schwere Niederlage bei. Er setzte den Feldzug im Weiteren fort, mit dem Ziel, in der Nähe von Newark (Lincolnshire) eine weitere royalistische Armee zu stellen. Auf dem Marsch dorthin ließ Poyntz seine Truppen das befestigte Gutshaus von Shelford, dass sich der Übergabe verweigert hatte, plündern. 1646 war Poyntz maßgeblich an der Belagerung Newarks beteiligt, die mit der Flucht von König Karl II. zu den Schotten endete, und ein Ende des ersten Bürgerkrieges brachte.

Poyntz kehrte daraufhin auf seinen Gouveneursposten nach York zurück, den er schon seit August 1645 innegehabt hatte. Dort geriet er zunehmend in den Sog der Unruhen, die sich aus der zunehmenden Agitation von Vertretern der New Model Army unter den ihm unterstellten Truppen entwickelten. So kam es dann auch zu einer Meuterei von Truppen und Offizieren der Northern Association gegen seinen Befehl, und am 8. Juli 1647 wurde Poyntz ziemlich unzeremoniös verhaftet und dem Oberbefehlshaber der Parlamentsarmee Fairfax (Thomas Fairfax, 3. Lord Fairfax of Cameron, 1612–1671) vorgeführt. Fairfax rehabilitierte Poyntz zwar, aber dieser legte daraufhin das Kommando der Northern Association nieder.

In Anschluss verließ Poyntz den Norden Englands und ging nach London. Während seines Aufenthaltes dort versuchte er, in der Parlamentspartei der gemäßigten Linie der Presbyterianer angehörend, in Zusammenarbeit mit Sir William Waller und einer Zahl ausgemusterter Veteranen (reformadoes) unter seinem Befehl gegen die radikaleren Elemente der Londoner Bevölkerung vorzugehen. Dies allerdings misslang, und im August 1647 musste er nach Amsterdam fliehen, von wo aus er während des nächsten Jahres an ihn ausstehende Zahlungen des Parlaments, zum Teil erfolgreich, verfolgte.

Unklarheit besteht über den Zeitraum bis 1650. Auf der einen Seite stellt Parr (DNB) fest, dass Poyntz‘ Flucht in die Niederlande effektiv seine militärische Laufbahn beendete und er am zweiten Englischen Bürgerkrieg nicht mehr teilnahm. Auf der anderen Seite gibt es Hinweise, dass Poyntz als Generalmajor unter Lord Willoughby (Francis, Lord Willoughby of Parham, um 1613–1666) in East Anglia für den König aktiv war (BCW Blog).

Gesichert erscheint aber, dass Poyntz 1650 Willoughby in die Karibik folgte. Willoughby war, wie Poyntz, ursprünglich ein Parteigänger der Presbyterianer im Konflikt mit der New Model Army, der nach der Niederlage seiner Partei geflohen war, um sich dem königlichen Lager anzuschließen. Zweck der Expedition in die Karibik war es, diese für den König zu gewinnen, was zunächst auch gelang. Poyntz‘ Teilnahme an Willoughbys Fahrt lässt darauf schließen, dass Poyntz eine ähnliche Umorientierung vollzogen hatte. Willoughby machte ihn denn auch zum Gouverneur der Inseln über dem Winde (Antillen), wo Poyntz auf St Kitts seinen Sitz hatte. Poyntz konnte diese Stellung allerdings nicht lange halten und wurde schon bald von dortigen Landbesitzern, die ihre Neutralität wahren wollten, von der Insel vertrieben. Denn der Englische Bürgerkrieg hatte auch die Karibik eingeholt, und als das Parlament 1652 eine Flotte unter Admiral Sir George Ayscue (um 1616–1671) zur erfolgreichen Unterdrückung der Royalisten entsandte, floh Poyntz nach Virginia. Eine 1652 verkündete Amnestie erlaubte ihm die Rückkehr nach Antigua, wo er offensichtlich Besitzungen erworben hatte und wo er 1661-63 als Gouverneur erwähnt wird, eine Position, die er allerdings nicht unbedingt angetreten haben muss. Konkrete Hinweise auf seine weiteren Aktivitäten nach der Flucht von 1652 fehlen, was weitere Aussagen über den Rest seines Lebens bestenfalls spekulativ macht.

Klientelbeziehungen und Netzwerke

Johann Georg I. Kurfürst von Sachsen

Im Anschluss an seine Flucht aus türkischer Gefangenschaft, und fest entschlossen, seine militärische Laufbahn wieder aufzunehmen nach seiner Wiederausstattung mit relevanter Ausrüstung durch die Franziskaner, präsentierte Poyntz sich bei dem sächsischen Kurfürsten in Dresden. Dies markiert den Beginn einer Beziehung, die Poyntz in rascher Folge über die kurfürstliche Leibgarde eine Offiziersstelle in der sächsischen Kavallerie bescherte. Hatte er vor seinem türkischen Intermezzo als einfacher Soldat gekämpft, so erscheint es bemerkenswert, dass Poyntz nun auf einer ganz anderen Ebene agierte. Er beschreibt dies in seinen Erinnerungen so: „comming in good equipage I had soone insinuated my self, and was entertayned by the Duke with great promises, and was after a while made of his Guard which they call his Life-guard”. Augenscheinlich machten auch in diesem Fall die Kleider die Leute, und man darf vermuten, gemessen an seiner weiteren Entwicklung in der sächsischen Kavallerie, dass ihm darüber hinaus seine Bildung als Gentleman seinen Aufstieg ins Offizierskorps erleichterte. In einer aufschlussreichen Episode in seinen Erinnerungen beschreibt Poyntz, wie er sein eigenes Verhalten bei der Flucht der sächsischen Truppen nach Breitenfeld vor dem Kurfürsten, der ihn seinerseits herzlich seinen „little Englishman“ nannte (S. 59), erfolgreich mit der mutigen Rettung der Regimentsfahne rechtfertigte. Dies lässt einerseits auf eine ausgesprochen persönliche Beziehung zum Dienstherren schließen, den Poyntz durchweg als „my Master“ bezeichnet, andererseits verdeutlicht es auch die Bedeutung persönlicher Tapferkeit; beide Momente zusammengenommen können in dieser Situation zur Erklärung von Poyntz‘ Beförderung zum Kavalleriehauptmann dienen. Im Weiteren erlitt die Beziehung der beiden Parteien aber entscheidende Rückschläge, so vor allem das Unvermögen des Kurfürsten, seinen „kleinen Engländer“ 1631 aus kaiserlicher Gefangenschaft auszulösen. In seiner Verurteilung des Kurfürsten holt Poyntz aber noch weiter aus, in dem er seine Entfremdung von Johann Georg bereits an dessen Umschwenken auf die schwedische Seite vor Breitenfeld im Sommer 1631 festmacht, „when I found that hee was false to the Emperour, my heart was alwais from hym“ (S. 75). So präsentierte sich Poyntz im Gegensatz zum wechselhaften Kurfürsten als kaisertreu, und auch die Ehrenbezeugungen, die er von Johann Georg selbst erhalten hatte, werden im Weiteren relativiert: „for his honour hee gave mee, it was much to mee, but nothing to hym, for hee was very prodigall of that which cost hym nothing: but gave mee not allowance to maintaine that honour, but what I could sharke ether from the Boores, or from the souldiers I had under mee“ (S. 75). Da Poyntz der Rest seiner in Deutschland verbrieften Zeit auf kaiserlicher Seite agierte, lässt sich nicht ausschließen, dass die negative Beurteilung des sächsischen Kurfürsten propagandistischen Zwecken diente, aber die Tatasache, dass Poyntz dem Thema ein ganzes Kapitel seiner Erinnerungen widmete und an meheren Stellen in dieselbe Kerbe schlägt, deutet auf ein Maß an Überzeugung hin.

Graf Walter Butler, irischer Obrist in kaiserlichen Diensten (um 1600–1634)

Butler nahm Poyntz einige Zeit nach der Schlacht bei Breitenfeld gefangen, und da Georg auf Poyntz‘ Bitte nach Lösegeld nicht reagierte, trat dieser in kaiserliche Dienste unter Butler. In dessen Dragonerregiment brachte er es zur Zeit der Schlacht von Nördlingen zum Feldwachtmeister (Sergeant Major). Nach Poyntz‘ eigenen Beschreibungen ist es Butler, der ihn nicht nur militärisch protegiert, sondern ihm auch bei der sozialen Integration und dem Aufstieg unterstützt. So gehen Poyntz‘ lukrative Eheschließungen mit einer reichen Händlerstochter aus Eger und der offensichtlich wohlhabenden Dame (Eleanora) aus Würtemberg auf die Vermittlungen Butlers zurück. In seinen Erinnerung beschrieb Poyntz, wie er am Sterbebett Butlers von diesem in dessen Testament bedacht worden war. Letztere Episode ist allerdings ein weiterer Beweis für die fragwürdige Chronologie in Poyntz‘ Erinnerungen, die diese Begegnung nach seinem Rückzug aus der kaiserlichen Armee platziert, also spät im Jahr 1635, Butler allerdings nachweislich schon Weihnachten 1634 verstorben war.

Militärische Engagements, Feldzüge

1622 – Als einfacher Soldat im Regiment von Lord Vaux unter einem Captain Reysby bei der Belagerung von Bergen-op-Zoom in den Niederlanden. Gefangennahme durch englische Söldner in niederländischen Diensten. 1625 – Als einfacher Soldat in der Armee des Earls of Essex, in dem Regiment des Earls of Oxford unter Captain William Baillie bei der gescheiterten Entsetzung Bredas in den Niederlanden.

1626 - Als einfacher Soldat im Regiment von James Leslie in der Armee Ernsts von Mansfeld. Teilnahme an der Schlacht an der Dessauer Brücke und dem Zug von Mansfelds Armee durch Schlesien, Mähren (Pünderung von Mährisch Weißkirchen) und Ungarn.

1631 – Schlacht bei Breitenfeld als Kavallerieoffizier in der Leibgarde Johann Georgs I. von Sachsen. Kurz danach Gefangennahme durch irische Söldner des Regiments Butler und Übertritt in dieses Regiment auf kaiserlicher Seite.

1632 – Schlacht bei Lützen als Truppenführer im Regiment Graf Butler unter Wallenstein. Rückzug mit Wallensteins Armee nach Böhmen.

1633 – In Schlesien mit Wallensteins Armee.

1634 – Schlacht bei Nördlingen im Regiment Butler unter Gallas. Danach Winterquartier in Österreich.

1635 – Zunächst bei der sächsische Armee, nun auf kaiserlicher Seite, zur Abwehr der Schweden in Sachsen, danach Marsch nach Lothringen in das Winterlager von Gallas.

1636 - Rückzug aus der kaiserlichen Armee und zeitweilige Rückkehr nach England. Letzte bezeugte Handlung im Dreißigjährigen Krieg. Seine Erinnerungen (S. 130) deuten jedoch auf eine erneute Wiederkehr nach Deutschland hin.

1644 – Rückkehr nach England in den Dienst der Armee des Parlaments, erst als Oberst, dann als General.

1645 – Kommandeur der Armee der Northern Association. Siegreiche Schlacht bei Rowton Heath gegen die Royalisten. Marsch auf Newark (Lincolnshire), bei dem Poyntz‘ Truppen das befestigte Gutshaus von Shelford plündern.

1645/6 – Belagerung Newarks, die mit der Flucht von König Karl II. zu den Schotten endete.

Kriegsunternehmerische Tätigkeit

Neben Nachweisen eines materiellen Aufstiegs und persönlicher Bindung an seine Wahlheimat finden sich in den Erinnerungen von Poyntz auch Hinweise auf den Profit, den er aus dem Kriegsgeschäft zog. Schon während seiner Zeit in der sächsischen Armee beschreibt er, wie er selbst die Mittel zum Unterhalt seiner Position aufbringen musste (Poyntz, Relations, S. 75: „but [der sächsische Kurfürst] gave mee not allowance to maintaine that honour, but what I could sharke ether from the Boores, or from the souldiers I had under mee“). In der kaiserlichen Armee, spätestens seit 1631, ist er dann eindeutig ein selbst finanzierter Truppenführer. So finden sich Hinweise, dass er seine Soldaten zum Teil aus seinem Profit als Heerführer, zum Teil aus seinem angeheirateten Vermögen anwarb. Wie profitabel das Geschäft sein konnte, verdeutlicht die Beschreibung, dass er trotz der Unterhaltskosten für einen 200 Mann starken Kavallerietrupp und einer Kriegskasse von £ 3,000 noch Geld an seine Frau schicken konnte. An anderer Stelle (S. 127) gibt er dann einen Hinweis auf eine Methode der persönlichen finanziellen Gesundung, wenn er beschreibt, wie er im Winterquartier in Österreich durch Drangsalieren der dortigen Bauern seinen Bedarf an Pferden und Männern deckte.

Wie labil diese Form der Finanzierung war, erkennt er während der Truppenbewegungen kreuz und quer durch Deutschland 1635, zwischen den sächsischen und lothringischen Kriegsschauplätzen, als es in dem ausgeblutenten Land es immer schwerer wurde, materielle Ressourcen zu finden. In Lothringen, wo Gallas‘ Armee durch mangelnde Versorgung und Seuchen zugrunde ging, was auch Poyntz‘ Kavallerietrupp dezimierte, nahm Poyntz schließlich seinen Abschied mit der Absicht, sich auf seinen Privatbesitz zurückzuziehen. Als Begründung erwähnt er in diesem Zusammenhang seine persönliche Kriegskasse von £ 2,000 in Bargeld (S. 127), sein Investitionskapital im Felde, welche angesichts der verheerenden materiellen Lage der örtlichen Bauern keinerlei Perspektive auf Profite bot.

Anmerkungen

(1)A. T. S. Goodrick (Hrsg.), The Relation of Sydnam Poyntz, 1624–1636, Camden Society, 3. Serie, Band 14 (London, 1908)

(2)Matthew Glozier, Scots in the French and Dutch Armies during the Thirty Years’ War, in: Steve Murdoch (Hrsg.), Scotland and the Thirty Years' War, 1618-1648 (Brill, Leiden, 2001), S. 132

Literatur

Charles Harding Firth, Poyntz, Sydenham, Dictionary of National Biography, 1885-1900, Band 46, S. 280

D. N. Farr, ‘Poyntz , Sydenham (bap. 1607)’, Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004; online edition, Sept 2011 J. Maclean, Historical and genealogical memoir of the family of Poyntz (1886) Townend, Peter. Burke's Genealogical and Heraldic History of the Landed Gentry, 18th edition. 3 Bände. London, England: Burke's Peerage Ltd, 1965-1972. BLG1965 Band 1, S. 581

Matthew Glozier, Scots in the French and Dutch Armies during the Thirty Years’ War, in: Steve Murdoch (Hrsg.), Scotland and the Thirty Years' War, 1618-1648 (Brill, Leiden, 2001), S. 117-139

Nikolas Maximilian Funke, Religion and the military in the Holy Roman Empire c.1500-1650. unveröffentlichte Doctoral thesis (DPhil), University of Sussex, 2012 (http://sro.sussex.ac.uk/39561/)

James F. Dator, Search for a New Land: Imperial Power and Afro-Creole Resistance in the British Leeward Islands 1624-1745, unveröffentlichte Ph.D. Thesis, The University of Michigan, 2011 (https://deepblue.lib.umich.edu/handle/2027.42/86546) Olli Bäckström, The German Military Entrepreneur Ernst von Mansfeld and His Conduct of Asymmetrical Warfare in the Thirty Years War, unveröffentlichte Masters Dissertation, University of Helsinki, 2011 (https://helda.helsinki.fi/handle/10138/28444)

Quellen>

A. T. S. Goodrick (Hrsg.), The Relation of Sydnam Poyntz, 1624–1636, Camden Society, 3. Serie, Band 14 (London, 1908)

J. Aubrey, The natural history and antiquities of the county of Surrey, Band 4 (1718)

Porträts

S. Abraham, Portrait Schaumünze, 1646 [V&A 813-1904] Zwei Ölgemälde, Althorp, Northamptonshire, England

GND

1055170456