Thirty Years War Online

Rantzau, Josias von

Offizier in ndl., dän., kaiserl. u. schwed. Diensten, zuletzt Heerführer im Dienste Frankreichs (1636/40 maréchal-de-camp, 1637/44 lieutnant-général, 1645 Marschall von Frankreich)

Autor: Christoph Valentin

Empfohlene Zitierweise: Christoph Valentin: Rantzau, Josias von [2014]. In: Lexikon der Heerführer und hohen Offiziere des Dreißigjährigen Krieges, hg. von Markus Meumann (Online-Ressource; URL: http://www.amg-fnz.de/dreissig-jaehriger-krieg-online/heerfuehrer-und-offiziere/rantzau-josias-von/ [Datum des Aufrufs in eckigen Klammern]).

Lebensdaten

* 18. Oktober 1609 auf Gut Bothkamp (bei Kiel), † 14. September 1650 in Paris

Konfession

lutherisch, seit August 1645 römisch-katholisch (nach Konversion in Frankreich)

Familie

  • a) Elternhaus: Urgroßvater: Johann, Großvater: Paul, Vater: Breide (1563-1639), Mutter: Oelgard von Qualen
  • b) Ehe: Hedwig Margarete Elisabeth († 1668), jüngste Tochter Gerhards von Rantzau (1558-1627)
  • c) Kinder: keine

Militärische Laufbahn

Josias von Rantzau kämpfte zunächst abwechselnd in niederländischen, dänischen, kaiserlichen und in schwedischen Diensten, bevor er seit 1635 für Frankreich zu Felde zog. Hier machte er, gefördert von den Kardinalministern Richelieu und Mazarin, rasch Karriere: 1636 wurde er zum maréchal-de-camp und 1637 zum lieutenant-général ernannt. Nachdem er sich zwischen von 1638 bis 1640 vorübergehend nach Dänemark zurückgezogen hatte, wurde Rantzau 1640 erneut zum maréchal-de-camp und 1644 zum lieutenant-général befördert. 1645 wurde er schließlich zum Marschall von Frankreich ernannt. Mit dem Westfälischen Frieden (1648) endete seine militärische Karriere.

Militärische Engagements, Feldzüge

Josias von Rantzau sammelte seine ersten militärischen Erfahrungen in den Heeren des Prinzen Moritz von Oranien, König Christians IV. von Dänemark und König Gustavs II. Adolf von Schweden. Anschließend trat er in kaiserliche Dienste und nahm unter dem General Johann von Aldringen an der Belagerung und Einnahme Mantuas 1630 teil.

Bald darauf wechselte Rantzau wiederum das Lager und trat erneut in schwedische Dienste. Hier verteidigte er nach Gustav Adolfs Tod als Gouverneur Andernach gegen einen Versuch kaiserlicher Truppen, die Stadt zurückzuerobern. Im August 1633 befehligte er den rechten Flügel der Armee Christians I. von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler in einem Gefecht bei Hagenau gegen Herzog Karl IV. von Lothringen. Im September 1633 war er an der Belagerung von Breisach beteiligt, im Oktober desselben Jahres wurde er Gouverneur von Straßburg.

1635 ging Rantzau mit dem schwedischen Kanzler Axel Oxenstierna nach Frankreich, wo er von König Ludwig XIII. in französische Dienste aufgenommen wurde. Er erhielt ein Regiment, mit dem er in der Armee unter Louis de Nogaret de La Valette d‘Épernon und Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar im Reich operierte. 1635/36 kämpfte er im Elsass. Im Februar 1636 wurde Rantzau zum maréchal-de-camp ernannt und erhielt ein Kavallerie-Regiment. Damit diente er in der französischen Armee in der Franche-Comté. Hier beteiligte er sich an der Belagerung von Dôle, wo er ein Auge verlor. Im März 1637 wurde er zum lieutnant-général ernannt und erhielt das Kommando über ein Armee-Korps, das er in Deutschland anwerben sollte. Als er damit aber nicht erfolgreich war, begab er sich 1638 mit Erlaubnis des französischen Königs nach Dänemark.

1640 kehrte Rantzau nach Frankreich zurück und diente wieder als maréchal-de-camp in Flandern. Bei der Belagerung von Arras wurde er schwer verwundet. Er verlor ein Bein; eine Hand wurde verkrüppelt. Im folgenden Jahr, nun in der Armee des Marschalls Charles de La Porte, duc de La Meilleraye, wurde er bei der Belagerung von Aire-sur-la-Lys abermals schwer verwundet. 1642 wurde Rantzau unter Marschall Antoine III. de Gramont in einem Gefecht bei Honnecourt-sur-Escaut erneut verwundet und gefangengenommen. Auch im Jahre 1643 kämpfte Rantzau in Flandern. In der Armee unter Führung von Henri II. de Bourbon, Prince de Condé, nahm er an der Schlacht von Rocroi und der Belagerung von Thionville teil. Mit einem Kavallerie-Regiment beteiligte er sich an der Eroberung von Sierck (heute Sierck-les-Bains). Er kam Marschall Jean Baptiste Budes, comte de Guébriant bei der Belagerung von Rottweil zu Hilfe und übernahm das Kommando, als dieser verwundet wurde. Die Stadt kapitulierte im November 1643. In der Schlacht bei Tuttlingen am 24. November 1643 wurde Rantzau jedoch von den bayerischen und kaiserlichen Truppen besiegt und gefangen genommen.

Im April 1644 wurde Rantzau abermals zum lieutenant-général befördert und diente in der Armee unter Maschall de La Porte in Flandern. Er beteiligte sich unter anderem an der Belagerung von Gravelines. Im folgenden Jahre zog er in der Armee unter dem Befehl von Gaston Jean Baptiste de France, duc d‘Orléans, dem jüngeren Bruder Ludwigs XIII., erst in die Picardie und nahm später Cassel in Flandern ein. Am 30. Juni 1645 erhielt Rantzau den Titel eines Marschalls von Frankreich aus den Händen des Herzogs von Orléans. Im Juli belagerte er erfolgreich Mardyck bei Dünkirchen, im August nahm er Lynck, Bourbourg, Lillers, Béthune und Saint-Venant in Flandern ein. Im Jahre 1646 übernahm er zusammen mit Marschall Jean de Gassion und Marschall Gramont unter dem Oberbefehl des Herzogs von Orléans und Condés das Kommando über die französische Armee in Flandern. Er beteiligte sich an der Eroberung von Bergues/Saint-Winoc, Mardyck, Furnes und Dünkirchen und wurde im November zum Gouverneur dieser Städte ernannt. Im April 1647 übernahm Rantzau erneut zusammen mit Marschall Gassion das Kommando über Flandernarmee und eroberte Dixmude (Diksmuide), La Kenaque, Nieufdam und L’Écluse. Nach der Verwundung Gassions befehligte Rantzau die Belagerung von Lens allein und nahm die Stadt Anfang Oktober ein. Im März 1648 wurde er wieder einer der Kommandanten der Flandernarmee unter Condé und nahm im April an der Einnahme von Ypres (Ypern) teil. Wenig später wurde Rantzau von spanischen Truppen unter dem Grafen von Fuensaldaña angegriffen, besiegt und gefangen genommen.

Rantzau entließ sein Regiment am 24. Oktober 1648 infolge des Friedens von Münster. Kurz darauf wurde er im Februar 1649 unter dem Verdacht, an der Fronde beteiligt zu sein und die Auslieferung seeflandrischer Festungen zu planen, inhaftiert, im Januar 1650 jedoch wieder freigelassen. Josias von Rantzau starb bald darauf am 4. September 1650 in Paris an der Wassersucht.

Kriegsunternehmerische Tätigkeit

Obwohl ihn Bernhard Ebneth in der Deutschen Biographischen Enzyklopädie als „Typus des wagemutig-martialischen Haudegens und Söldnerführers aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges“ charakterisiert, ist bisher wenig Konkretes über die kriegsunternehmerische Tätigkeit Rantzaus bekannt. Lediglich der Chevalier de Courcelles gibt einige Anhaltspunkte. So habe Rantzau in französischen Diensten mehrmals den Befehl erhalten, Truppen zu werben. Am 11. Mai 1635 bekam er die Aufgabe übertragen, ein deutsches Infanterieregiment, und am 17. Februar 1636 die Anweisung, ein deutsches Kavallerieregiment auszuheben. Im Jahre 1637 scheiterte er an der Aufgabe, ein Armeekorps in Deutschland zu werben. Am 10. Dezember 1644 erhielt er erneut die Aufgabe, ein deutsches Infanterieregiment unter dem Name „Royal-Allemand“ auszuheben. Nach dem Westfälischen Frieden habe er schließlich sein letztes Regiment entlassen.

Literatur

de Rantzau, Josias, in: M. le Chevalier de Courcelles, Dictionnaire historique et biographique des généraux français, depuis le onzième siècle jusqu’en 1823, Bd. 8: Montesq – Riva, Paris 1823, S. 473-477. [Diesem Eintrag folgen die meisten folgenden Biographien.]

Rantzaw, Josias in: Feller, F.-X., Biographie universelle, ou Dictionnaire historique des hommes que se sont fait un nom par leur génie, leurs talents, leurs vertus, leurs erreurs ou leurs crimes, depuis le commencement du monde jusqu’a nos jours, Bd. 5, Besançon / Paris 21839, S. 215.

Rantzau, Josias de, in: Galeries historiques du Palais de Versailles, Bd. 8, Paris 1842, S. 310 f.

Rantzau, Josias, in: M. le Dr Hoefer, Nouvelle biographie générale depuis les temps les plus reculés jusqu‘a nos jours, avec les renseignements bibliographiques e l’indication des sources a consulter, Bd. 41, Paris 1862, Sp. 599 f.

Handelmann, Gottfried Heinrich, Rantzau, Josias, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 27, Berlin 1888, S. 281.

Ebneth, Bernhard, Rantzau, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 21: Pütter-Rohlfs, Berlin 2003, S. 146-149, hier 147 f. [Dieser Artikel bietet insbersondere die aktuellste Zusammenstellung der Quellen zu Josias von Rantzau.]

[Rantzau, Karl von], Das Haus Rantzau. Eine Familie-Chronik, o.O. [1865], S. 146-158. [Faktenreich, aber unkritisch.]

Borcke, Kurt von, Deutsche unter fremden Fahnen, Berlin 1938. [Tendenziöse NS-Literatur.]

Dupaquier, Jean, Le Maréchal de Rantzau 1609-1650, s. l. 1985. [Faktenreich, aber unkritisch.]

GND

119303973

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