Thirty Years War Online

Sperreuth, Claus Dietrich Freiherr von

oft nur Sperreuter genannt

Autor: Christian Kodritzki

Empfohlene Zitierweise: Christian Kodritzki: Sperreuth, Claus Dietrich von [2017]. In: Lexikon der Heerführer und hohen Offiziere des Dreißigjährigen Krieges, hg. von Markus Meumann (Online Ressource; URL: http://www.thirty-years-war-online.net/heerführer-und-offiziere/sperreuth-claus-dietrich-von/ [Datum des Aufrufs in eckigen Klammern]).

Schwedischer Generalmajor, kaiserlicher und bayerischer Generalwachtmeister, im Dienst Venedigs Governatore generale delle armi nelle Tre Isole und auf Candia interimsweise Governatore generale dell‘ armi, ab 1651 Statthalter, General und Direktor der Waffen, Festungen und des Militärwesens am Rhein, Schwarzwald und Schwaben für den Erzherzog Ferdinand Carl von Tirol.

Geboren als Nicolaus (Claus) Dietrichs, änderte Sperreuth seinen Namen mehrmals. Als er in schwedische Dienste trat, änderte er seinen Vornamen in Clas, wohl um den Eindruck zu erwecken, er sei Schwede, vielleicht aber auch nur, um sich anzupassen. Auch Dietrichsohn wurde er genannt. 1627 gelang ihm ein erfolgreiches Gefecht gegen polnische Husaren, wobei er mit einer Lanze verletzt wurde und weitere drei Lanzen auf seinem Harnisch zerbrachen. Daraufhin erhielt er den Namen Sperreuter. Er selbst sagte nicht von wem, es kann aber wohl nur vom schwedischen König Gustav II. Adolf gewesen sein. Er nannte sich nun Clas Dietrich Sperreuter, ließ jetzt aber das „s“ von Dietrichs weg und erweckte so den Eindruck, Dietrich sei sein zweiter Vorname. Ganz verleugnen wollte er dabei seinen Familiennamen wohl nicht, deshalb setzte er noch längere Zeit hinter Dietrich einen kleinen senkrechten Strich, der vermutlich das „s“ symbolisieren sollte. Als er nach Franken kam, ließ er fortan die Endung „er“ weg und nannte sich nun Sperreuth, vielleicht in Anlehnung der in Franken vielfach vorhandenen Endung von Ortsnamen „reuth“.

Lebensdaten

*1600 in Walsrode (?) † 9. Januar 1653 in Innsbruck

Konfession

lutherisch, ab 1641 römisch katholisch

Familie und Jugend

Sperreuth wurde 1600 bürgerlich geboren als Nicolaus (Claus) Dietrichs, Sohn des Amtmanns Carl Dietrichs vom Kloster Walsrode im Fürstentum Braunschweig-Lüneburg. Das Geburtsjahr 1600 errechnet sich aus seiner eigenen Angabe, dass er mit 18 Jahren im Jahre 1618 in den Böhmischen Krieg zog („Bin ich an(no) 1618 von 18 jahren in dem Boheimischen Krieg under ritmeister her Freitag vor ein reuter mit 2 pferden kommen, ….“). [1]

Vater: Carl Dietrichs II., um 1560 – 1637 oder 1638
Mutter: Adelheid Bartels (Barthels), um 1560 –1610
Bruder: Gabriel Dietrichs, 1589 – 1641
Bruder: Otto Dietrichs, um 1592 – 1610
Schwester: Elisabeth Catharina Dietrichs, 1633 noch unverheiratet, weitere Daten sind nicht bekannt.
Schwester: Zipola Clüner, geb. Dietrichs, Ehemann war Buchardi Clüner, schwed. Capitain-Leutnant. Zipola, ihr Ehemann und ihre Kinder starben vor Sperreuth. Weitere Daten sind nicht bekannt.
Eine weitere Schwester mit unbekantem Namen und Daten.

Sperreuth heiratete 1633 in den alten fränkischen Adel ein. Seine Ehefrau Anna Catharina von Lendersheim (Lentersheim) war die Tochter Georg Friedrichs von Lendersheim (Lentersheim) auf Alten- und Neuen-Muhr (1588–1654), Brandenburgisch-Ansbacher und der Landschaft Geheimer Rat, Oberhofmarschall, Oberamtmann zu Cadolzburg, ab 1639 von Schwabach . Dieser war verheiratet mit Anna Maria von Crailsheim (1. Ehefrau, †1614) und Maria-Sybilla von Warnstett (2. Ehefrau, †1628).

Sperreuth hatte nachweislich fünf Kinder:
Tochter: Johanna Maria Behaim, unehelich, *1633
Kindesmutter: Anna Magdalena Behaim aus Krautheim
Sohn: Friedrich Klaus von Sperreuth (er wurde nur 1 Jahr und 8 Monate alt)
Tochter: Sophia von Sperreuth (vermutlich als Kleinkind gestorben)
Tochter: Hedwig Eleonora von Sperreuth, ?–1667
Sohn: Philipp Klaus von Sperreuth, 1652–1672

Militärische Laufbahn

Sperreuth nahm 1618, mit 18 Jahren, als einfacher Reiter mit zwei Pferden unter dem Rittmeister Freytag (Freitag) am Böhmischen Krieg teil. Wegen einer Krankheit reiste er aber noch im selben Jahr nach Hause zurück. 1619 ging er in den Dienst der Union unter dem Markgrafen von Durlach und verblieb dort zwanzig Monate bis zur Abdankung des Heeres. 1621 trat er mit drei Pferden als Korporal in die Armee des Königs von Dänemark ein. Doch schon nach drei Monaten wurden die Völker der dänischen Armee kassiert. Bereits im Juni desselben Jahres wurde Sperreuth Kornett im Heer des Generals Ernst von Mansfeld (1580–1626) im Regiment Herzog Franz Carls von Sachsen-Lauenburg (1580–1660) unter Oberstleutnant (Rittmeister) Freytag. Sein Einsatzgebiet waren das Lager von „Withausen“, die Unterpfalz und der Entsatz von Frankenthal, wobei er einen Stich in den Unterarm erhielt. 1622 begab er sich als Leutnant in die die Armee des Herzogs Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und nahm an der Schlacht bei Höchst teil. Dabei wurde er gefangen genommen. Nach seiner Entlassung kam er nicht mehr zur Armee zurück, sondern reiste nach Schweden, wo ihm der König eine Leutnantsstelle in seiner Leibkompanie gab. Er selbst berichtete, der Wechsel sei nicht richtig (rechtmäßig) gewesen, deshalb sei er wieder nach Deutschland zurückgegangen, wo er sich im Niedersächsischen Kreis bei der Stadt Lübeck als Capitain-Leutnant anstellen ließ. Hier blieb er zehn Monate, bis ihn König Gustav Adolf nach Schweden zurückrief. Dort errichtete er für den Feldmarschall Hermann Wrangel eine Leibkompanie von 180 Reitern, die er dann als Rittmeister befehligte. Am 1. Mai 1624 traf er mit seinen Reitern in Livland ein. Hier und in Preußen nahm er in den nächsten Jahren an unterschiedlichen Kriegshandlungen teil. Besonders im Juli 1627 konnte er einen außergewöhnlichen Erfolg verbuchen. Er besiegte mit einer kleinen Schar Soldaten eine polnische Husarenabteilung, wobei er durch einen Lanzenstich verletzt wurde und weitere drei Lanzen an seinem Harnisch zerbrachen. Daraufhin erhielt er den Namen Sperreuter. Außerdem wurde er zum Oberstwachtmeister befördert. Bereits 1628 wurde er Oberstleutnant über ein Regiment von neun Kompanien, dankte allerdings kurz danach ab und reiste nach Hause. Er bot dem schwedischen König jedoch an, ihm in zwei Monaten ein Regiment Fußvolk von vier Kompanien zu werben, und brachte es sodann fertig, innerhalb von sechs Wochen zehn Kompanien für den schwedischen König auf die Beine zu stellen. Weil sein Laufplatz aber in Emden war, also im Machtbereich der Niederlande, verboten diese seinen Abmarsch. Er musste mit seiner Truppe vor ˈs-Hertogenbosch rücken, welches die Niederländer gerade belagerten, und dort bis zur Einnahme der Stadt verbleiben. Danach durfte er per Schiff mit seinen geworbenen Soldaten nach Stockholm reisen. Er kam hier im November 1629 an und verblieb den ganzen Winter beim König in Stockholm. 1630 wurde er Oberst und bekam vom schwedischen König noch ein zweites Regiment unterstellt. Ab Ende 1631/Anfang 1632 unterschrieb er seine Briefe mit „von Sperreuth“. Eine schriftliche Nobilitierung ist bisher allerdings nicht gefunden worden. 1634 zum Generalmajor ernannt, verlagerte er sein Tätigkeitsfeld von Franken nach Niedersachsen. Bereits im August 1635 nahm Sperreuth Verbindung zu Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt auf, der ihm zum Wechsel auf die kaiserliche Seite verhelfen sollte. Er selbst gibt an, dass er sich angeblich zur Ruhe setzen wollte und sich nur auf mehrfaches Drängen des Kaisers 1636 in dessen Dienste begab. Er konnte so allerdings den schwedischen Reichskanzler Axel Oxenstierna (1583–1654) veranlassen, ihm einen ordentlichen Abschied und ein Zeugnis auszustellen. Sein Briefwechsel mit dem Landgrafen und seinem entfernten Verwandten Jost Burkhardt Rauw von Holtzhausen beweist, dass die Initiative von ihm ausging. 1638 wurde er vom Kaiser in den Freiherrenstand erhoben. Er bedankte sich dafür, wollte ihn aber derzeit noch nicht annehmen, sondern tat dies erst ab 1640. Der Grund dafür war vermutlich die Gebühr für das Freiherren-Diplom, welche immerhin 2.000 Rthlr. betrug und deren Bezahlung ihm seinerzeit nicht möglich war. Im kaiserlichen Dienst verblieb er bis 1643. Nachdem er im Jahr 1644 privatisiert hatte, bemühte er sich um eine Anstellung beim bayerischen Kurfürsten, der bei der verlorenen Schlacht bei Jankau am 6. März 1645 viele Offiziere durch Gefangenschaft und Tod verloren hatte. Dadurch erhielt Sperreuth noch im März seine Bestallung zum bayerischen Generalwachtmeister. Unzufrieden mit seiner Situation, dankte er allerdings 1646 schon wieder ab. Durch die Vermittlung von Ferdinand Geizkofler, Freiherrn von Haunsheim (1592–1653), den er in Württemberg kennengelernt hatte, gelangte er noch im selben Jahr in die Dienste der Republik Venedig. In diesen verblieb er bis 1650. Der Hauptgrund für seinen erneuten Wechsel war sein Bestreben, seine restliche Bezahlung und die Güter aus seiner Zeit in schwedischem Dienst von der Krone Schweden zu erhalten. Bei seiner mehrfachen Alpenüberquerung hatte er sich offensichtlich bei dem Erzherzog Ferdinand Carl von Tirol (1628–1662) in Innsbruck beliebt gemacht. Er erhielt von diesem seine letzte Anstellung als Statthalter, General und Direktor der Waffen, Festungen und des Militärwesens am Rhein, im Schwarzwald und in Schwaben mit Standort Freiburg im Breisgau, die er 1651 antrat. Bei einem Aufenthalt in Innsbruck erkrankte er plötzlich und starb dort am 9. Januar 1653.

Netzwerke

Sperreuths schneller Aufstieg im schwedischen Heer ist gewiss auf die Förderung des schwedischen Königs Gustav Adolf zurückzuführen. Diese Bevorzugung durch den König bescherte ihm allerdings auch viele Neider. Der frühe Tod des Königs beraubte ihn dieser Unterstützung. Er konnte aber bald den Reichskanzler Oxenstierna für sich gewinnen, der ihn bis zu seinem Abgang 1636 gegen seine Feinde stützte. Große Vorteile brachte Sperreuth seine Bekanntschaft mit dem Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt, der ihm nicht nur beim Seitenwechsel half, sondern sogar später noch Interzessionsschreiben für Sperreuth an den Kaiser schrieb. Durch seine Einheirat in den fränkischen Adel hatte er bei diesem auch in schlechteren Zeiten einen gewissen Rückhalt. Als hohem Offizier, erst bei den Schweden, dann beim Kaiser und dem bayerischen Kurfürsten, mussten und wollten sich auch viele gut mit ihm stellen. Seinem Übertritt zum römisch-katholischen Glauben folgte dann eine Verbesserung seines Verhältnisses im Besonderen zu den in Franken vorhandenen Vertretern des Deutschen Ordens. Ab 1645 war Ferdinand Geizkofler, Freiherr von Haunsheim, eine ganz außerordentliche Hilfe für Sperreuth. Er verhalf ihm nicht nur zur Anstellung bei der Republik Venedig, sondern auch bei der Werbung für sein Regiment in Italien. Eine Kompanie stellte er ihm sogar komplett zur Verfügung, als Sperreuth nicht weiter kam. Nicht geklärt werden konnte bisher sein zuletzt gutes Verhältnis zum Mainzer Kurfürsten, der ihm nach Sperreuths eigener Angabe außerordentliche Gnade zuteilwerden ließ und in dessen Dienste er gerne getreten wäre. Eine Aufklärung ist wegen der großen Aktenverluste durch die Kriegsereignisse in Würzburg schwierig.

Militärische Engagements, Feldzüge und Schlachtenbeteiligungen

Über die ersten Jahre von Sperreuths militärischen Erlebnissen ist nichts bekannt. Ab 1624 agierte er unter dem schwedischen Feldmarschall Wrangel in Livland, Polen und Preußen. Im Juli 1627 konnte er in einem Gefecht eine weit überlegene polnische Husarenabteilung besiegen, die Anlass für die Verleihung des Namens Sperreuter an ihn war. Von seiner Tätigkeit bei den Holländern vor ˈs-Hertogenbosch sind leider bisher keine Einzelheiten bekannt. Im Jahr 1630 gelangte er mit seinem Regiment nach Deutschland und konnte die erste kaiserliche Schanze unter den Kanonen der Festung Wolgast erobern und sie solange verteidigen, bis der Schwedenkönig Stettin eingenommen hatte. Wenig später wurde er vom König beauftragt, noch ein Regiment Reiter zu werben und die Festung Kolberg zu blockieren. Obwohl nur wenige Leute bei ihm waren und die Festung Kolberg eine Besatzung von über 2.000 Mann hatte, konnte er sie so bedrängen, dass sie im kommenden März kapitulierte. Dadurch war ganz Hinterpommern von den Kaiserlichen befreit. Trotz seiner erfolgreichen Tätigkeit wurde er vom Generalmajor Dodo von Inn- und Knyphausen (1583–1636) der Fahrlässigkeit und Unprofessionalität beschuldigt, und dieser setzte ihm den Oberst Boetius vor die Nase. Aufs Äußerste beleidigt, bat Sperreuth um seine Abberufung von der Belagerung, andernfalls werde er den Dienst quittieren. Der König schickte ihn daraufhin nach der Kapitulation Kolbergs nach Königsberg in der Neumark. Entlang der Oder, zwischen Stettin und Küstrin, führte Sperreuth nun einen intensiven Kleinkrieg. Mit der Armee des Königs machte er 1631 den Marsch nach Sachsen mit und nahm im September an der großen Schlacht bei Breitenfeld teil. Er agierte dabei so erfolgreich, dass ihm der König ein separates Korps von über 1.000 Mann unterstellte, mit dem er neben der Armee herzog, um die Flanke zu sichern und Proviant zu requirieren. Ende 1631/Anfang 1632 warb Sperreuth erneut ein Regiment zu Fuß. Der König erteilte ihm den Auftrag, damit in Franken etliche feste Plätze und Ortschaften einzunehmen. Innerhalb von sechs Wochen brachte er daraufhin zwei Festungen, darunter Lichtenau, und drei Reichsstädte, nämlich Dinkelsbühl, Nördlingen und Weissenburg, unter schwedische Devotion. Dazu erhielt er vom König den Befehl, die Festungen Wülzburg und Pappenheim zu überwältigen. Er erhielt auch das Oberkommando über alle eroberten Orte. In dieser Stellung blieb er bis zum Frühjahr 1634. Sperreuth wollte danach aus der Gegend weg, weil er sich mit dem neuen Herrn in Franken, Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, nicht gut vertrug. Zudem veranlasste die immer mangelhafter werdende Versorgung und Bezahlung seiner Truppen viele seiner Soldaten zur Desertion. Dazu kamen militärische Misserfolge auf Grund der immer stärker andrängenden Bayern und Kaiserlichen. Überdies war sein bisheriger Förderer König Gustav Adolf 1632 in der Schlacht von Lützen ums Leben gekommen. Dessen Stelle nahm nun der schwedische Reichskanzler Oxenstierna ein. Sperreuth musste zwar alle seine Regimenter in Franken abgeben, bzw. lösten diese sich auf, er warb aber bereits im Frühjahr 1634 ein neues Regiment, in dem wohl auch etliche Soldaten aus seinen alten Regimentern Zuflucht suchten. Sperreuth, nun Generalmajor, wurde nach Niedersachsen versetzt und übernahm interimsweise die im Niedersächsischen Kreis stehenden schwedischen Truppen. Als Kursachsen aber mit dem Kaiser in Friedensverhandlungen eintrat und der Herzog von Braunschweig-Lüneburg diesen beitreten wollte, bekam Sperreuth von Oxenstierna den Befehl, die im Niedersächsischen liegenden Truppen von 11.000 Mann für die Krone Schweden zu erhalten und weiterhin ausschließlich unter seinem Befehl zu halten. Das brachte ihn in Gegensatz zum Herzog von Braunschweig-Lüneburg, zumal er auch noch in den von diesem beanspruchten Gebieten Soldaten einquartierte. Eine kurze Exkursion zum Landgrafen von Hessen-Kassel, den er mit einem unter seinem Kommando stehenden schwedischen Korps unterstützen sollte, brach er bald wieder ab, weil der Landgraf nicht in der Lage war, Sperreuths Truppen zu unterhalten. Schon auf dem Marsch nach Hessen hatte Sperreuth große Schwierigkeiten gehabt, sein Korps zu versorgen, was beinahe zur Meuterei geführt hatte. Obwohl er schon in Verhandlung mit der kaiserlichen Seite stand, entsetzte er noch die Festung Königshofen und schlug drei feindliche Regimenter in die Flucht. Im kaiserlichen Dienst ab 1636 war er sofort wieder bemüht, ein Regiment zu Pferd aufzurichten. Er war von nun an bis 1643 in vielen unterschiedlichen Gefechten und Schlachten für den Kaiser tätig. Dabei geriet er zweimal in Gefangenschaft, aus denen er sich nur unter großen Kosten freikaufen konnte, bereits 1636 in Lemgo und 1638 bei der Schlacht von Rheinfelden. Sein Zwangsaufenthalt auf der Festung Hohentwiel dauerte zwei Jahre. Seit März 1640 wieder im kaiserlichen Dienst, nahm er an vielen militärischen Aktionen teil. Für ihn selbst am erwähnenswertesten war seine Tätigkeit bei den Kämpfen um Wolfenbüttel 1641. Sein offenkundig unverträglicher Charakter und sein weit überhöhtes Ehrgefühl brachten ihn jedoch immer wieder in Gegensätze zu anderen hohen Offizieren, sodass eine weitere von ihm angestrebte Rangerhöhung ausblieb. Im März 1645 erhielt Sperreuth seine Bestallung zum bayerischen Generalwachtmeister und nahm bereits am 26. desselben Monats an der Schlacht von Herbsthausen und im August an der Schlacht bei Alerheim teil, wo er jeweils unter Johann von Werth auf den erfolgreichen linken Flügeln focht. An der Schlacht bei Alerheim nahmen auch bereits zwei Kompanien seines noch im Aufbau befindlichen neuen Regiments teil. Zwischen und nach den Schlachten führte er einen erfolgreichen Kleinkrieg, seine Spezialität. Aber auch im bayerischen Dienst sah er sich missverstanden, für seine guten Leistungen ernte er nur Hohn und Spott. So kam ihm das Angebot Geizkoflers, nach Venedig zu wechseln, gerade recht. In Venedig musste er jedoch lange auf einen Militäreinsatz warten, da es Probleme mit seiner Einrangierung gab. Der gleichzeitig und schon sehr erfolgreich für Venedig als „Governatore Generale delle Armi in Dalmatia et Albania“ agierende Freiherr Christoph Martin von Degenfeld (1599-1653) wollte keinen Gleichrangigen neben sich dulden. Sperreuth hingegen hatte sich vorbehalten, dass kein Deutscher über ihm rangieren sollte. Erst 1648 wurde er nach Korfu geschickt, ein Jahr später nach Kreta, wo er einige sehr erfolgreiche Aktionen gegen die Türken verbuchen konnte. Ihm gelang es, aus dem belagerten Candia heraus einige Plätze zu erobern und die Türken vorübergehend in die Defensive zu drängen. Allerdings war der Erfolg wohl teilweise auch auf einen vorübergehenden Versorgungsengpass bei den Türken zurückzuführen. Im Januar 1650 wurde Sperreuth abgelöst und nahm Urlaub nach Deutschland, aus dem er nicht mehr zurückkam. Seine Tätigkeit beim Erzherzog Ferdinand Carl war administrativ, mit Kampfhandlungen hatte er nichts mehr zu tun.

Kriegsunternehmerische Tätigkeit

Sperreuth war ein Soldat von Fortune. Das heißt, er wollte im Kriegsdienst sein Glück und natürlich viel Geld machen. Bei allen seinen Anstellungen drang er darauf, dass er Kompanien oder Regimenter werben und halten durfte. Wenn man ein oder mehrere Regimenter errichten durfte, war dies eine ständig sprudelnde Erwerbsquelle. Selbst wenn der Landesherr nicht bar zahlte, was oft vorkam, wurde ein Regimentsinhaber später meist mit der Belehnung mit Gütern befriedigt. Für die Soldaten musste man wenig aufwenden, diese sollten möglichst von den Quartiergebern unterhalten werden. Besonders in seiner Schwedenzeit erhielt Sperreuth deshalb viele wertvolle Donationen als Ausgleich für die vom schwedischen König nicht gezahlten Gelder. Das war eigentlich ein gutes Geschäft, da die Güter oft ein Mehrfaches des ausstehenden Soldes wert waren. Umso verständlicher ist das Bemühen Sperreuths, immer wieder mit neuen Werbungen aufzukommen. Vom schwedischen König erhielt er für aufgelaufene Kosten als erstes das Gut Dahlen bei Riga, zuerst als Pfand für ausstehende Gelder, später dann als Eigentum. In Franken erhielt er die Burg und das Amt Neuhaus bei Mergentheim, die Stadt Wemding mit dem Dorf Laub und das Kloster Kirchheim. Weitere Donationen sollte er noch erhalten. Die schwedischen Donationen verlor er jedoch alle nach seinem Seitenwechsel. Beim Kaiser war es nicht viel anders, allerdings war dieser weniger großzügig. Sperreuth erhielt von ihm das Gut Trautskirchen, wobei er allerdings so viel Ablöse für das hochverschuldete und verödete Gut bezahlen musste, dass er später sagte, er habe das Gut gekauft. Als Ausgleich für seine selbst bezahlten Ranzionskosten nach seiner Gefangenschaft in Lemgo erhielt er vom Kaiser das Dorf und das Gut Wilhermsdorf, wozu noch einige kleinere Güter oder Zehnte um Nürnberg und Weissenburg herum gehörten. Vom Kaiser hatte er auch das ehemals dem schwedischen Generalmajor Beckermandt (1576–1641) gehörende Gut Königsbach bei Durlach in Baden erhalten, das er aber nie in Besitz nehmen konnte und das später an den schwedischen Oberst Saint-André (1602–1661) fiel. Als der Kaiser den Generälen, die nicht persönlich ihre Regimenter führen konnten, diese wegnehmen wollte, kämpfte Sperreuth energisch für den weiteren Erhalt seines Regimentes. Er handelte dem Kaiser sogar das Versprechen ab, dass sein Regiment bestehen bleibe, falls eine allgemeine Reduktion der Armee erfolgen sollte. Dies ließ er sich vom Kaiser am 20. Januar 1638 sogar schriftlich bestätigen.

Anmerkungen

[1] Riksarkivet Stockholm, Riksarkivets ämnessamlingar. Personhistoria, SE/RA/756/756.1/S 58 (nach kostenpflichtiger Anmeldung auch online abrufbar unter https://sok.riksarkivet.se/bildvisning/A0073862_00221).
[2] „Nicolaus Dieterich Walsrodensis“. In: Album Academiae Helmstadiensis, Bd. 1, bearb. von Paul Zimmermann, Hannover 1926, S. 212 (Nr. 308). Dieser Eintrag könnte darauf hindeuten, dass Sperreuth entgegen seiner eigenen Angabe möglichweise doch schon einige Jahre vor 1600 geboren wurde.

Bilder

Epitaph in der Trautskirchener Kirche: Die Familie von Sperreuth unter dem gekreuzigten Jesus, entstanden ca. 1672 – 1680, Maler unbekannt. Ein Ausschnitt daraus ist bei Christian Kodritzki, Seitenwechsel, auf S. 147 wiedergegeben. In demselben Buch, S. 9, ist das Bildnis Claus Dietrich von Sperreuths aus dem Epitaph vergrößert abgebildet.
In dem Buch Riedersche Chronik, Ergänzungsband, Bd. 3, ist auf S. 257 eine allegorische Darstellung von Sperreuth als Belagerer und dem Oberstleutnant Fitschen (Fitsch) als Verteidiger der Festung Wülzburg abgebildet.

Quellen - Literatur

Bergmann, Joseph: Klaus Dietrich, genannt Sperreuter, schwedischer, dann kaiserlicher General, in: Anzeige-Blatt CXXII. Bd. (1848).
Kodritzki, Christian: Seitenwechsel und andere Episoden aus dem Leben des Generals Claus Dietrich von Sperreuth, Verlag Christian Kodritzki, Offenbach am Main, 2. Auflage 2015.
Kodritzki, Christian: Seitenwechsel und andere Episoden aus dem Leben des Generals Claus Dietrich von Sperreuth, Nachtrag – Ergänzungen, Verlag Christian Kodritzki, Offenbach am Main 2015.
Kodritzki, Christian: Seitenwechsel und andere Episoden aus dem Leben des Generals Claus Dietrich von Sperreuth, Nachtrag – Ergänzungen Teil II (noch Manuskript).
Kodritzki, Christian: Von Krieg zu Krieg, Der Dreißigjährige Krieg in Süddeutschland und seine Verbindungen zur Republik Venedig, Verlag Christian Kodritzki, Offenbach am Main 2010.
Kodritzki, Christian: Schwedenzeit in Franken und Schwaben. Eroberungen, Besatzungszeit und Folgen des ersten schwedischen Vordringens nach Süden im Dreißigjährigen Krieg, Verlag Christian Kodritzki, Offenbach am Main 2010. Leistikow, Oskar: Sperreuter, erweiterter Sonderdruck aus: Genealogie – Deutsche Zeitschrift für Familienkunde 1968, Verlag Degener & Co, Neustadt/Aisch.

Links

  • https://www.deutsche-biographie.de/sfzS16769.html
  • http://www.kinderzeche.de/schwedenlager/sperreuth/

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