Hessen-Braubach, Johann von

(nicht regierender) Landgraf zu Hessen-Darmstadt, seit 1643 reg. Landgraf zu Hessen- Braubach. Offizier in spanischen, schwedischen, französischen, hessischen und zuletzt braunschweig-lüneburgischen Diensten. 1631 Oberst und Generalmajor, 1636/37 Feldmarschall und Oberbefehlshaber der kleinen von seinem Bruder aufgestellten hessisch-darmstädtischen Armee, 1641/42 Oberbefehlshaber der Herzoglich-Braunschweigischen Truppen.

Autor: Christian Kodritzki

Empfohlene Zitierweise

Christian Kodritzki: Hessen-Braubach, Johann von [2019]. In: Lexikon der Heerführer und hohen Offiziere des Dreißigjährigen Krieges, hg. von Markus Meumann (Online Ressource; URL: https://thirty-years-war-online.net/prosopographie/heerfuehrer-und-offiziere/Hessen-Braubach-Johann-von/ [Datum des Aufrufs in eckigen Klammern]).

Lebensdaten

*17. Juni 1609 in Darmstadt, †1. April 1651 in Ems

Religion

lutherisch

Familie

Vater: Ludwig V., Landgraf von Hessen-Darmstadt (1577–1626)

Mutter: Magdalena, Landgräfin von Hessen-Darmstadt, Tochter des Kurfürsten von Brandenburg Georg Wilhelm (1582–1616) und der Elisabeth Charlotte von der Pfalz (1597–1660)

Ehefrau: Johannetta (Johanna) von Sayn-Wittgenstein (1632–1701), Tochter des Grafen Ernst von Sayn-Wittgenstein (1594–1632) und der Gräfin Louise Juliane von Erbach (1603 -1670)

Die Ehe blieb kinderlos.

Jugend und Ausbildung

Wie bei Hochadeligen üblich, wurden Landgraf Johann und seine Geschwister durch Erzieher und Hauslehrer ausgebildet. Daran schloss sich die ebenfalls übliche Kavalierstour ins Ausland an, die Johann in Begleitung seines jüngeren Bruders Friedrich (1616–1682) 1627/28 nach Italien führte. Überhaupt ziehen sich viele ausgiebige Reisen durch Johanns Leben, offenbar hatte er dafür ein Faible.

Als zweitältester Sohn war Johann von der Regierung der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt ausgeschlossen. Die Bemühungen seines Vaters, ihm schon früh ein geistliches Amt zu verschaffen, waren nicht besonders erfolgreich. So versuchte Ludwig V. seinen Sohn zuerst im Stift Bremen und dann im Stift Minden unter Berufung auf das kaiserliche Recht der „Preces Primariae“ (erste Bitte) unterzubringen und ihm eine Präbende zu verschaffen. Dies scheiterte jedoch; denn zwar war Ludwig V. kaisertreu, aber er war dennoch Protestant. Und auf Seiten der Katholiken war man nicht besonders daran interessiert, die Söhne protestantischer Fürsten zu versorgen. So schlug Johann, wie viele andere nachgeborene Grafen- oder Fürstensöhne, bereits im Alter von 16 Jahren die militärische Laufbahn ein (s.u.).

Von einem Studium an einer deutschen Universität ist in den Akten nichts zu finden, man kann allerdings auf einen zumindest kurzen Aufenthalt an der Universität von Jena schließen. Als 1637 die Hessen-Darmstädter zusammen mit den Kaiserlichen Jena eroberten, wurde die Stadt besonders schwer geplündert, weil Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar (1604–1639) daraus die Gefälle (Abgaben) bezog. Dabei sorgte sich der abwesende und auf dem Weg nach Naumburg befindliche Landgraf Johann sehr um die Professoren der Universität, im Besonderen um die ihm (von früher?) gut bekannten Johann Gerhard (1582–1637) und Friedrich Hortleder (1679–1640).

1639 wurde Johann durch Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen unter dem Namen „der Stattliche“ in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen.

Militärische Engagements

Sein Vater versuchte bereits dem erst 16-jährigen Johann eine militärische Laufbahn bei der spanischen Armee zu ermöglichen. Seinem Stande entsprechend sollte Johann Regimentsinhaber und Oberst werden. Da Johann noch sehr jung war und über keinerlei militärische Kenntnisse verfügte, wollte Landgraf Ludwig ihm einen erfahrenen Oberstleutnant zur Seite stellen. Auf Empfehlung des sächsischen Obersten Melchior von Schwalbach (1581–1635) wandte man sich diesbzgl. an den Oberstleutnant der schlesischen Stände, Johann Friedrich von Koderitz, der zu dieser Zeit als Hofmeister beim Herzog von Oldenburg angestellt war. Koderitz war nicht abgeneigt, den ihm angebotenen Posten unter bestimmten Bedingungen zu übernehmen, da er „wegen des vielen Trinkens“ sowieso gern von Oldenburg wegwollte. Doch auch in der spanischen Armee waren die Zeiten vorbei, dass man für unmündige Jugendliche derart hohe militärische Stellungen kaufen konnte. Lediglich der Rang eines Capitains über eine Kompanie Reiter im Regiment des Obersten Johann Philipp Cratz von Scharfenstein (Scharpfenstein) (1590–1635) konnte im Oktober 1625 für Johann erworben werden. Diese Stellung bekleidete Landgraf Johann bis 1630, wobei er wohl kaum viel Zeit bei seiner Kompanie verbrachte. Bekannt ist, dass er mehrere längere Reisen während dieser Zeit unternahm. Unter anderem 1627/1628 nach Italien, 1628/1629 nach Hildesheim zu seiner Schwester Anna Eleonore (1601–1659), Ehefrau des Herzogs Georg II. von Braunschweig-Lüneburg (1582–1641), und nach Ostfriesland zu seiner Schwester Juliane (1606–1659), Ehefrau des Grafen Ulrich II. von Ostfriesland (1605–1648). Weil er 1630 wieder eine längere Reise unternehmen wollte, bat sein Vater bei der spanischen Infantin Isabella Clara Eugenia von Spanien (1566–1633) um Johanns Abschied von der spanischen Armee, der ihm am 8. Mai 1630 gewährt wurde.

Als der schwedische König Gustav II. Adolph 1631 nach der Schlacht bei Breitenfeld mit seiner Armee nach Mittel- und Süddeutschland Deutschland vorrückte, schloss sich Landgraf Johann ihm an. Am 21. Dezember 1631 erteilte ihm Gustav Adolph den Auftrag, als Oberst ein Regiment Reiter von fünf Kompanien für ihn zu errichten. Das Geld dafür sollte Landgraf Johann von den Orten Bensheim (auch Musterplatz), Weinheim, Ladenburg und Umgebung erheben. Nach der Errichtung schloss sich das Regiment überwiegend der Armee Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar an. 1633 wurde Johann zum Generalmajor ernannt. Verschiedene Berichte aus Franken zu dieser Zeit erwähnen ihn, obwohl er persönlich wohl überwiegend abwesend war. Sein Regiment wurde dann durch seinen Oberstleutnant Johann Henrich von Carben geführt.

Noch kurz vor der Schlacht bei Nördlingen Anfang September 1634 beschwerte sich Johann beim schwedischen Reichskanzler Axel Oxenstierna (Lichtenberg, 12. August 1634), dass er für sein Regiment keine Anrittsgelder bekommen habe, auch auf dem Musterplatz nicht die Hälfte der ihm zustehenden Kontributionen hätte erheben können. Trotzdem habe er in kurzer Zeit sein Regiment auf eigene Kosten komplettiert. Seither habe er weder für sein Regiment noch für sich selbst bisher einen einzigen Monatssold bekommen. Infolgedessen habe er zwar noch alle Offiziere des Regiments, aber kaum noch Reiter für eine einzige Kompanie. Unter diesen Umständen, so Johann weiter, wolle er mit Rücksicht auf seine eigene Reputation nicht länger in der schwedischen Armee dienen. An der Schlacht selbst nahm Johann persönlich teil, wobei er leicht am rechten Arm verwundet wurde. Mit der restlichen schwedischen Armee unter Herzog Bernhard entkam er dem Gemetzel über Canstadt und Heilbronn. Nach Aufforderung Herzog Bernhards zog das Regiment am 4. November 1634 ins Elsass. Ob Johann dabei persönlich mitmarschierte, ist nicht ganz sicher. Wenig später, möglicherweise noch 1634, unternahm er zumindest eine längere Reise nach Ostfriesland zu seiner Schwester und brachte sich so erst einmal aus der Schusslinie.

Die zu diesem Zeitpunkt schlechten Aussichten bei den Schweden und den Franzosen und der miserable Zustand der restlichen Armee ließen ihn im Februar 1635 in Worms seinen Abschied vorbereiten. Seine offizielle Begründung dafür hielt er schriftlich fest:

1.Erstlichen die Ubele tractamenten mit welchen mihr bis dahero begegnet word[en].
2. Die Verhör: [= Verheer-] undt Verderbung deß armen Landes.
3. Ist es die Consideration des, so ich zu verliehren.
4. d[as] diejenige Stände welchen ich zu dienen hette meistenteihls die wehren so meinen brüdern mihr und Unserm gantzen Hauß zu wieder wehren.
5. Könte ich nicht sein in diesem land ohne offension der soldatesca od[er] aber deß armen Landes.
6. Die Ubele disciplin der soldatesca.
7. die scharff ordinanzen.
8. d[as] tractament der Frantzosen (1)

Johanns Regiment agierte indessen noch bis zum Herbst 1635 bei der nun französischen Armee Herzog Bernhards im Elsass, im Saarland und in der Pfalz. Die Entlassungsurkunde für Landgraf Johann mit der Unterschrift Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar datiert: Kreuznach, 10. September 1635.

Gleichzeitig betrieb Johann nun mit starker Unterstützung seines Bruders Georg II. (1605-1161, reg. Landgraf von Hessen-Darmstadt seit 1626) die Aussöhnung mit dem Kaiser. Georg II. reiste deshalb extra zum Kurfürsten von Sachsen, Georg I. (1585–1656), seinem Schwiegervater. Vorteilhaft wirkte sich aus, dass dieser gerade mit den Abgesandten des Kaisers über den Prager Frieden verhandelte. Auf den sächsischen Kurfürsten als Führer der deutschen Protestanten mussten die Kaiserlichen besondere Rücksicht nehmen. So erhielt Landgraf Johann nach dem Verlassen der französischen Armee am 19. November 1635 die schriftliche Bestätigung seiner Aussöhnung mit dem Kaiser.

Als Georg II. 1636 gegen einen in Aussicht gestellten bedeutenden Lohn – die Administration über die zu erobernde Landgrafschaft Hessen-Kassel, mit Aussicht auf späteren vollständigen Erwerb des Landes – unter Ausnutzung seiner letzten Ressourcen für den Kaiser eine kleine Armee aufstellte, wurde sein Bruder Landgraf Johann zu deren Oberbefehlshaber ernannt. Für Georg II. war es wichtig, dass sein Kontingent als eine eigenständige verbündete Armee und nicht als ein Truppenteil in der Kaiserlichen Armee galt. Um Johann gleichberechtigt mit dem kaiserlichen Feldmarschall Graf Melchior von Hatzfeld (1593–1658) und dem ligistischen Feldmarschall Johann von Götz (1599– 1645) erscheinen zu lassen, wurde Johann ebenfalls der Rang eines Feldmarschalls verliehen, allerdings ohne den gewünschten Erfolg: Unzufrieden mit seiner Situation und der Nichtanerkennung seiner Gleichberechtigung durch die beiden anderen Feldmarschälle verließ Landgraf Johann die kaiserlich-hessische Armee am 18. Mai 1637 bei Wittenberg vorzeitig. Landgraf Georg II. hatte seinem Bruder zwar die schriftliche Erlaubnis dazu gegeben, aber nur weil dieser gedroht hatte, sonst einfach heimlich zu verschwinden.

1641, nach dem Tode Herzog Georg II. von Braunschweig-Lüneburg, übertrug dessen Witwe Anna Eleonore, eine Schwester Landgraf Johanns, diesem im Einverständnis mit den beiden anderen Braunschweiger Herzögen, Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591–1634) und August II. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1579–1666), den Oberbefehl über die gesamten Braunschweiger Truppen. Johann agierte nun wieder als Verbündeter der Schweden gegen den Kaiser. Seinem Bruder teilte er erst aus Hildesheim seinen bereits vollzogenen Wechsel ins schwedische Lager mit. Dieser war darüber wenig erfreut, befürchtete er doch negative Auswirkungen auf die gerade wieder beginnenden Verhandlungen über die strittige oberhessische Erbmasse.

Johann konnte die Braunschweiger Truppen im Verbund mit den Schweden unter den Generälen Carl Gustav von Wrangel (1613–1676) und Hans Christoph von Königsmarck (1600–1663) recht erfolgreich führen, obwohl die Eroberung Wolfenbüttels nicht erreicht werden konnte. Es reichte jedoch aus, den Kaiser zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Diese wurden dann auch bereits am 16. Januar 1642 im „Goslarer Akkord“ erfolgreich abgeschlossen (Bestätigung am 19. April im sogenannten „Hauptrezess“).

Landgraf Johann war nun offensichtlich auf den Geschmack der militärischen Führung gekommen und bemühte sich noch 1642 um eine Anstellung beim französischen König Ludwig XIII. Dessen Interesse hielt sich jedoch in Grenzen, besondere Führungsqualitäten waren von Johann auch nicht bekannt. Johann wollte aber unbedingt wieder in einen militärischen Dienst treten. So wandte er sich wieder einmal der anderen Seite zu und versuchte im Jahr 1644 sein Glück erneut beim Kaiser. Dänemark und Schweden befanden sich von 1643–1645 im Kriegszustand. Johann wollte eine kaiserliche Armee in Holstein aufstellen und so eine weitere Front gegen Schweden aufbauen. Damit wollte er den Dänen zu Hilfe kommen. Obwohl ihm sein Bruder Georg II. wieder geheime Hilfe durch seinen Rat Johann Jacob Wolff von Todenwarth (1585–1657) leistete, wurden Johanns Ambitionen wenig beachtet. Dies lag wahrscheinlich daran, dass der Kaiser bereits die gleiche Idee hatte und seinen Feldmarschall Graf Mathias Gallas (1684–1647) mit einer Armee nach Holstein absandte.

Landgraf Johann ließ jedoch nicht locker, er wandte sich nun an den Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorp (1597–1659), dem er antrug, Generalleutnant über alle seine Truppen zu werden (26. Juni 1644). Aber die militärischen Ereignisse überholten seine Bemühungen. Die in Holstein einmarschierten Kaiserlichen unter Gallas wurden noch 1644 von den Schweden vertrieben, und Herzog Friedrich III. musste einen Neutralitätsvertrag mit Schweden abschließen.

Zur selben Zeit bot sich Johann dem Erzbischof von Bremen und somit der Krone Dänemark (Administrator Friedrich II. Prinz von Dänemark) als Generalissimus an. Dazu wollte er ein Regiment in der Niedergrafschaft Katzenellenbogen werben und erbat sich von seinem Bruder Georg II. die Genehmigung dazu. Dieser hatte jedoch schwere Bedenken, weil die Neugeworbenen wegen der Nähe der niederhessischen Truppen (Hessen-Kassel) in großer Gefahr wären. Dennoch wollte er seinem Bruder unter drei Bedingungen die Werbung erlauben:

  1. Die Erlaubnis der Franzosen, weil „sonst Hessen-Darmstadt ein großer Feind über der Hals“ käme.
  2. Auch die Niederhessen müssten die Werbung gestatten.
  3. Der Laufplatz sollte nur drei bis vier Wochen und ohne Beschwerung der Einwohner gestattet werden. Die Rekruten müssten alles bar von ihrem eigenen Geld bezahlen.

Die militärische Situation und die Bedingungen seines Bruders ließen Landgraf Johanns Ambitionen im Keim ersticken. Weitere Versuche, in eine militärische Stellung zu kommen, sind nicht bekannt. Vielleicht lag es daran, dass er sich mit Heiratsgedanken trug; jedenfalls ehelichte er 1647 die erst 15-jährige Johanetta von Sayn-Wittgenstein.

Netzwerke

Durch seine hochadlige Geburt waren die Möglichkeiten Landgraf Johanns, hohe militärische Stellungen zu erreichen, von vornherein besser als bei niedriger gestellten Leuten. Bereits seine Anstellung in der spanischen Armee wurde ohne sein eigenes Zutun von seinem Vater arrangiert. Auch mit der Werbung eines Regiments für den schwedischen König brauchte er sich nicht selbst zu beschäftigen; das erledigten seine höheren Offiziere für ihn, welche überwiegend aus dem hessischen Adel stammten. Finanziell griff ihm dabei sein Bruder Georg II. unter die Arme. Das reichte allerdings kaum für seinen aufwendigen Lebensstil (1636 hatte er 28 Personen im Feldzug zu seiner persönlichen Versorgung), den er als Fürstensohn glaubte beanspruchen zu können. So kam es, dass sein Regiment schon vor der Schlacht bei Nördlingen stark zusammengeschrumpft war. Da er von den Schweden kein Geld bekam, war Ersatz durch neue Werbungen nicht möglich.

Nach der Nördlinger Schlacht zeigte sich, was die richtige Verwandtschaft wert war. Johanns Bruder sowie dessen Schwiegervater, der Kurfürst von Sachsen, konnten problemlos die Aussöhnung mit dem Kaiser arrangieren. Johann musste nur den Dienst in der Armee Bernhards von Weimar quittieren. Sein Bruder Georg II. stellte Johann wenig später an die Spitze seiner Truppen und im Herbst 1636 gab er ihm den Oberbefehl über die Hessen-Darmstädtische Armee, welche gemeinsam mit den Kaiserlichen und den ligistischen Truppen gegen den schwedischen Feldmarschall Johann Banèr (1596–1641) agierte. Von seinem Bruder Georg II. erhielt er dazu 1636 auch zwei weitere Regimenter, um Johanns Stellung als Feldmarschall zu untermauern. Zu all dem brauchte er persönlich kaum etwas beizusteuern. Da die vereinbarte Versorgung der kleinen hessischen Armee durch den Kaiser nur unzureichend funktionierte (zuerst kamen die eigenen, dann die Auxiliartruppen), musste Landgraf Georg II. sogar noch ein Magazin in Thüringen für Johanns Truppen errichten, damit diese nicht verhungerten.

Ende der 1630er Jahre trübte sich das Verhältnis der beiden Brüder Georg II. und Johann ein. Offensichtlich animiert von seinem jüngsten Bruder Landgraf Friedrich von Hessen-Darmstadt (1616–1682, seit 1671 Fürstbischof von Breslau), forderte Johann rückständige Deputats-Gelder und Landbesitz unter Anfechtung der Primogenitur. Die Auseinandersetzung zwischen den Brüdern eskalierte jedoch trotzdem nicht, obwohl Johann 1641 ohne Wissen und Zustimmung seines Bruders das Generalat für Braunschweig-Lüneburg annahm. Wieder waren es aber die verwandtschaftlichen Verhältnisse, welche ihm diese lukrative und ehrenvolle Position eintrugen. Durch einen 1643 geschlossenen Vergleich mit seinem Bruder erwarb Landgraf Johann Eppstein (1645 erblicher Besitz), Braubach und Katzenellenbogen. Dadurch wurde er finanziell unabhängiger und weniger angewiesen auf die zähfließenden Deputats-Gelder.

Als letzten Ausgleich erhielt er noch 1650 die Ämter Nieder- und Ober-Rosbach von seinem Bruder übereignet.

Militärische Engagements: Feldzüge, Schlachtenbeteiligungen

Während Johanns Anwesenheit bei seinem Regiment bis 1634 und damit seine Teilnahme an dessen Feldzügen fraglich sind, ist seine Teilnahme an der Schlacht bei Nördlingen Anfang September desselben Jahres verbürgt (s.o.). Im Sommer 1641 nahm Johann an der Schlacht von Wolfenbüttel teil, wie zahlreiche Quellen berichten (2).

Kriegsunternehmerische Tätigkeiten

Als Kriegsunternehmer ist der Landgraf Johann selbst im weitesten Sinne nicht zu bezeichnen. Seine Kriegstätigkeit war mehr auf die Erlangung von Ruhm und Ehre ausgerichtet. Der spanischen Kompanie stand er als 16-jähriger wohl nur auf Grund seines Standes vor. Mit der Errichtung und Führung der Kompanie wird er wenig zu tun gehabt haben. Für das schwedische Regiment sollten aus den angegebenen Ortschaften die erforderlichen Gelder erhoben werden. Als diese davon Nachricht erhielten, protestierten sie sofort dagegen und konnten nur wenig dafür hergeben. Aus der Beschwerde Johanns von 1634 ist auch zu erkennen, dass von der schwedischen Verwaltung für das Regiment keinerlei Zahlung erfolgte. Johann gab selbst an, dass er von dem Seinigen zusetzen musste. Einen materiellen Gewinn konnte er ganz sicher nicht aus der Haltung seines Regimentes erzielen. Die zwei hessischen Regimenter wurden ihm von seinem Bruder wohl aus Prestigegründen pro forma zur Verfügung gestellt. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass Landgraf Johann eine Vergütung für sie erhielt.

Anmerkungen

(1) Staatsarchiv Darmstadt E8A 88/2

(2) Hessen-Darmstadt, Johann Landgraf von, in: Der Dreißigjährige Krieg in Selbstzeugnissen, Chroniken und Berichten (URL: http//: www.30jaehrigerkrieg.de/hessen-darmstadt-johann-landgraf-von-2/, 26.08.2019)

Quellen und Literatur

Staatsarchiv Darmstadt: E8A 31/1, 46/3, 87/6, 88/2, 126/2, 128/3, 212/2+3

D4 111/3, 113/2, 114/1-5, 114/8-9, 115/1+5

D22 10/26

Staatsarchiv Wiesbaden: Abt. 170 III Abt. 595 – 604

Christian Kodritzki, „Zwischen Krieg und Stillstand“, Offenbach am Main 2011.

Christian Kodritzki, „Kurmainz und Hessen-Darmstadt kontra Ysenburg“, Offenbach am Main 2014.

Christian Kodritzki, „Die Jagd auf den Feldmarschall Johann Banèr 1637“, Offenbach am Main 2016.

Bilder

Christian Kodritzki, „Die Jagd auf den Feldmarschall Johann Banèr 1637“, Seite 153 (Jugendbild).

Verschiedene Darstellungen in: Digitaler Portraitindex, http://www.portraitindex.de/dokumente/pnd/12193088

Links

www.30jaehrigerkrieg.de/hessen-darmstadt-johann-landgraf-von-2/

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