König, Franz Peter, genannt „von Mohr“

(auch bekannt als François-Pierre Koenig, dit de Mohr)

Offizier in venezianischen und kaiserlichen Diensten, Oberst und Feldmarschall, 1645–1646 Schultheiß von Freiburg i. U.

Autor: Marc Höchner

Empfohlene Zitierweise: Marc Höchner: König, Franz Peter, genannt von Mohr [2015]. In: Lexikon der Heerführer und hohen Offiziere des Dreißigjährigen Krieges, hg. von Markus Meumann (Online-Ressource; URL: https://thirty-years-war-online.net/prosopographie/heerfuehrer-und-offiziere/koenig-franz-peter [Datum des Aufrufs in eckigen Klammern]).

Lebensdaten

*6.8.1594 in Freiburg i. U.;† 11.12.1647 Freiburg i. U.

Konfession

Katholisch

Familie und Jugend

  • Eltern: Jean Rey, Notar († 1628) und Anna Bendicht († 1594)
  • Ehefrauen:
    1) um 1615 Marie Chassot († >1637);
    2) 1640 Anne Marie Boccard († 1695)
  • Kinder:
    Mit 1): Ursule-Colombe (*ca. 1616); NN. * <1627;
  • mit 2): Anne-Elisabeth (>1640–>1671); Marie-Catherine (*1648); François-Pierre, Kapuzinermönch (1645–1708), sowie zwei illegitime Kinder: mit Margarethe v. Eltz: NN (*1636); mit Ursule Caillie de Bialey: Anna-Maria (*1637).

Über die Schulbildung Königs ist wenig bekannt. Er wird, im Gegensatz zu seinen Halbgeschwistern, in den Schülerlisten des Freiburger Jesuitenkollegs nicht erwähnt. Mit ca. 15 Jahren, also 1609 oder 1610, verließ er Freiburg, um nach eigenem Bekunden Soldat zu werden. Seit 1625 ist König Mitglied des Freiburgs Rats, nach seiner Rückkehr Ende 1635 ist er außerdem am Salzhandel mit der Freigrafschaft Burgund beteiligt. Nach 1640 ist König mehrmals Gesandter Freiburgs an der Tagsatzung. 1645 Wahl zum Schultheiß, 1646–1647 reist er über Paris nach Brüssel, um über Salzlieferungen zu verhandeln.

Militärische Laufbahn

1617 taucht König als Hauptmann einer Freiburger Truppe in Venedig auf, die von der Obrigkeit nach Hause befohlen wird. König wechselt stattdessen nach Mailand in spanische Dienste. 1620 befehligt er eine Kompanie im Regiment des Grafen Rambold Collalto (1579–1630). 1624 ist er Oberstleutnant im Regiment des Grafen Gerolamo Lodron (1587–1656). 1625–1627 hält sich König in Wien oder auf Schloss Mařiž in Mähren auf, das er seit 1624 besitzt. 1628 Kriegskommissar und Adjutant des Feldmarschalls Collalto, 1630 Oberst. 1631 erhält König, zusammen mit seinem Bruder Albrecht Nikolaus (1600–1637), vom Kaiser den Titel eines Baron von Billens (Billens ist ein kleines Dorf südwestlich von Freiburg i. U.; die Brüder hatten die Herrschaft 1625 gekauft). 1631–34 amtet König als Gouverneur von Lindau, 1634 lässt ein Rivale König festnehmen, der Freiburger wird von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt, auf Intervention der katholischen Kantone aber vom Kaiser begnadigt. 1635 flieht König aus Regensburg und kehrt nach Freiburg zurück. Trotz seiner Bemühungen erhält er kein militärisches Kommando mehr.

Klientelbeziehungen und Netzwerke

Die sehr umfassende Korrespondenz Königs macht sein Netzwerk deutlich. Der wichtigste Patron von König ist bis zu dessen Tod 1630 Graf Collalto. Königs Beförderung zum Oberstleutnant geht auf seine Empfehlung zurück, und Collalto unterstützt ihn bei einem Prozess, der sich von 1625–27 in Wien hinzieht. König pflegt außerdem immer wieder den Briefkontakt mit seiner Heimatstadt, ins besonders als er sich am Wiener Hof aufhält, oder als Kommandant von Lindau. König bildet dabei eine Informationsquelle für das Zeitgeschehen im Ausland und eine Ansprechperson für den Freiburger Rat. Dieser bittet beispielsweise 1626 König sogar, in einer Angelegenheit mit Bern im Sinne Freiburgs beim Kaiser vorstellig zu werden.

Militärische Engagements, Feldzüge

König ist vermutlich an der Schlacht am Weißen Berg (8. November 1620) anwesend und kämpft bis ca. 1624 in Böhmen und Mähren gegen die Truppen Bethlen Gábors (1580–1629). Als Kriegskommissar hält er sich er von Herbst 1628 bis Juni 1629 in Hessen auf, wo er Kontributionen beim Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt eintreibt und sich um die Unterbringung der kaiserlichen Truppen kümmert. Im März 1629 lässt er Frankfurt am Main einschließen und zwingt der Stadt eine Kontribution ab. Im Juni 1629 übernimmt König das Kommando über eine Streitmacht, die den Auftrag hat, das belagerte ’s Hertogenbosch zu entsetzen, dabei wird er am 23. Juni bei einem Erkundungsritt in der Nähe des heutigen Wuppertal schwer verletzt. Im Sommer 1630 beteiligt sich König als Kriegskommissar am Mantuanischen Erbfolgekrieg. Im Dezember 1631 übernimmt König das Kommando über die Stadt Lindau. Er lässt die Befestigungen der Stadt ausbauen und die sogenannte Königsschanze errichten. Die Besatzung von Lindau wehrt einige kleinere Vorstöße der Schweden ab und beliefert 1633 das belagerte Konstanz mit Nachschub. Im Januar 1633 beteiligt sich König außerdem an der Eroberung von Kempten im Allgäu.

Kriegsunternehmerische Tätigkeit

Ab 1627 kann eine Werbetätigkeit Königs nachgewiesen werden, obwohl sie bestimmt schon viel früher begann. Den Kredit dafür erhält er von der St. Galler Kaufmannsfamilie Zollikofer. Als Kommandant von Lindau betreibt König einen beträchtlichen Aufwand, um Truppen zu werben, der sogar Wallenstein gegenüber erwähnt wird. Mit seinen Werbungen möchte er sich beim Kaiser empfehlen. Trotz intensiven Bemühungen gelingt es König jedoch nie, eine Erlaubnis zu erhalten, in der Eidgenossenschaft Soldaten zu rekrutieren.

Quellen

  • Staatsarchiv Freiburg i. U. Fonds König
  • Bitterli, Daniel (Hg.): Franz Peter König. Ein Schweizer im Dreissigjährigen Krieg (Quellen), Freiburg i. U. 2006 (Archives de la Société d’histoire du canton de Fribourg. Nouvelle Série; 1)

Porträts

  • Museum für Kunst und Geschichte Freiburg i. U.:
  • MAHF 3994: Samuel Hofmann (1591/92–1648), Reiterstandbild, Öl auf Leinwand, 1631.
  • MAHF 2010-042: Sebastian Furck (1600–1655): Büstenporträt, Kupferstich, 1631/32.

Literatur

Bitterli, Daniel: „Epargnez mon territoire!“ 1628-1629: François-Pierre Koenig, commissaire de guerre, in: Annales Fribourgeoises 75 (2013), S. 47–55.

Steinauer, Jean: Le partage des biens de l’avoyer Koenig. Trois documents des années 1670 font surface aux AEF, in: Annales Fribourgeoises 73 (2011), S. 35–44.

Pechtl, Andreas: Un portrait gravé de François-Pierre Koenig 1632: le colonel fribourgeois fait sa pub à Francfort, in Annales Fribourgeoises 72 (2010), S. 43–48.

Bitterli, Daniel; Steinauer, Jean; Villiger, Verena: Im Galopp durchs Kaiserreich. Das bewegte Leben des Franz Peter König 1594 – 1647, Baden 2006.

Links

http://www.mahf.ch

GND

132316544